AfD-Rechtsprofessor fordert eine reinrassige Leitkultur

Geht es nach Ralph Weber sollen „Biodeutsche“ mit nicht weniger als zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern dafür sorgen, dass auch in 30 Jahren eine deutsche Leitkultur fortbesteht.

Neubrandenburg. Der Greifswalder Juraprofessor und AfD-Landtagsabgeordnete Ralph Weber hat in einem Facebook-Eintrag gefordert, dass sich „‚Biodeutsche‘ mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern“ dafür einsetzen, dass „unsere Heimat auch in 30 Jahren noch von einer deutschen Leitkultur geprägt und geformt wird“. Webers Forderung ähnelt den Bedingungen des „Kleinen Ariernachweises“ der Nationalsozialisten, der die Vorlage der Geburtsurkunden einer Person, der Eltern und der Großeltern vorsah, um eine arische Abstammung nachzuweisen.

In dem Eintrag, den er am Montag als persönliche Einschätzung des AfD-Bundesparteitags am vergangenen Samstag in Köln veröffentlichte, verlangt Weber außerdem ein Ende des „Großen Austausches“. Dieser Begriff wurde durch die rechtsextreme, vom Verfassungsschutz beobachtete Identitäre Bewegung geprägt. Er beschreibt die Vermischung des deutschen Volkes mit ausländischen Völkern auf deutschem Boden. Weber beendet seinen Eintrag mit dem Slogan „Deutschland den Deutschen“. Mit seinen Äußerungen stößt Weber in weiten Kreisen der politischen Landschaft auf Empörung. Offen jedoch bleibt die Frage, inwiefern hinter dieser erneuten verbalen Entgleisung Webers politisches Kalkül steckt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Ralph Weber vom AfD-Landesverband bewusst gesteuert wird, um das rechtsextreme Milieu zu bedienen“, sagt Peter Ritter, Schweriner Landtagsabgeordneter der Linken.

Damit würde die AfD in Mecklenburg-Vorpommern einer ähnlichen Strategie folgen wie ihre Schwesterfraktionen in den Landtagen von Thüringen und Sachsen-Anhalt. Deren Vorsitzende Björn Höcke und André Poggenburg, die beide dem völkisch-nationalen Flügel der AfD zuzuordnen sind, fallen immer wieder durch Äußerungen auf, die eine Nähe zu rechtsextremem Gedankengut zumindest vermuten lassen. Bisher jedoch zeichnete sich der AfD-Landesverband in MV durch eine eher gemäßigte Form der politischen Auseinandersetzung aus. Erst mit dem Einzug Ralph Webers in den Schweriner Landtag änderte sich dies. Auf Nachfrage wollte sich die AfD-Fraktion nicht zu den verbalen Entgleisungen Webers äußern.

Nachdem der Nordkurier online über dessen Beitrag berichtete, entschärfte der Politiker seinen ursprünglichen Facebook-Post am späten Dienstagabend. Formulierungen wie „Biodeutsche“ und „Deutschland den Deutschen“ wurden entfernt.

Nordkurier

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