Kramer gegen Kramer in Vorpommern

Als Polizist musste er seine Dienstwaffe abgeben und hatte Hausverbot in Supermärkten. Nun wird der Fraktionschef der AfD im Landtag, Nikolaus Kramer, von Vorwürfen aus der Vergangenheit eingeholt.

Neubrandenburg. Gegen den AfD-Fraktionschef im Landtag, Nikolaus Kramer (40), stehen harsche Vorwürfe im Raum: Nach Informationen des Nordkurier wurde ihm während seiner Dienstzeit als Polizist zeitweise die Dienstwaffe abgenommen. Zudem hatte er in Greifswald Hausverbot in mehreren Filialen des Discounters Lidl.

Dieser Umstand wurde, zunächst nur in Form von Gerüchten, in den vergangenen Monaten mehrfach an die Nordkurier-Redaktion herangetragen, zuletzt auch durch entsprechende Beiträge auf unserer Facebook-Seite. Unsere Recherchen ergaben: Die Vorfälle, die rund sieben Jahre zurückliegen, resultierten aus einer Anzeige gegen Kramer wegen häuslicher Gewalt. Das Innenministerium von Lorenz Caffier (CDU), Dienstherr der Landespolizei, lehnte zwar jede Auskunft zu disziplinarischen Schritten gegen Kramer ab. „Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte werden durch das Innenministerium grundsätzlich keine Auskünfte über personenbezogene Daten gegeben“, hieß es trocken.

Nikolaus Kramer selbst ist es, der sich zu den Vorwürfen bekennt. „Ich hätte schon viel früher mit einer solchen Nachfrage gerechnet, seit dem 10. Oktober warte ich beinahe täglich darauf“, sagt er. An jenem Tag hatten ihn die AfD-Abgeordneten zum Fraktionsvorsitzenden gewählt, da Leif-Erik Holm nach Einzug in den Bundestag von dem Posten zurückgetreten war.

Kramer erklärt die ganze Sache so: Hintergrund des Waffenentzugs und des Hausverbots sei ein „schmutziger Rosenkrieg“ in den Jahren 2010/11 gewesen. Ähnlich wie im Hollywood-Drama „Kramer gegen Kramer“ stritten die scheidenden Eheleute um Sorge- und Umgangsrecht für ihren Sohn. „Meine Ex-Frau hat mich angezeigt, die Anzeige dann aber wieder zurückgezogen.“ Bis zum Staatsanwalt war dieser Fall offenbar noch nicht gelangt. „Ermittlungen im Zuge von Gewaltschutzverfahren gegen den Abgeordneten Nikolaus Kramer sind hier nicht bekannt“, teilte die Staatsanwaltschaft Stralsund mit. „Es gab in der Vergangenheit wechselseitige Anzeigen der Eheleute Kramer im ersichtlichen Zusammenhang mit deren Trennung.“ Diese Verfahren seien allesamt eingestellt worden.

Verhältnis zur Ex hat sich mittlerweile entspannt

Mit dem Hausverbot, so erklärt Nikolaus Kramer, habe der Arbeitgeber seiner Frau vorsorglich auf ihre Beschuldigungen reagiert. Dass er als Polizeioberkommissar einige Wochen keine Dienstwaffe tragen durfte, sei „ein normaler Vorgang im Rahmen der Fürsorgepflicht des Dienstherren“. Eine solche Vorsichtmaßnahme diene zum einen dem Schutz des betreffenden Kollegen. Zum anderen trage es zur Beruhigung bei, wenn die Gegenseite nicht mehr behaupten kann, Angst vor einem Waffenträger haben zu müssen.

Mittlerweile, so schildert Nikolaus Kramer, hat sich das Verhältnis der ehemaligen Ehepartner „total entspannt“. „Wir können heute wieder zusammen Kaffee trinken und regeln alle notwendigen Dinge gemeinsam im Interesse unseres Sohnes.“ Er habe inzwischen zum zweitem Mal geheiratet.

Nikolaus Kramer ist ein bekennender Rechtsausleger in der AfD und Mitglied der Berliner Burschenschaft Gothia. Seit 2014 sitzt der gebürtige Greifswalder in der Bürgerschaft seiner Heimatstadt, seit gut einem Jahr gehört er dem Landtag an. Seine Spezialgebiete sind Innen-, Sicherheits- und Asylpolitik, er inszeniert sich gern als Mann für Recht und Ordnung. Vor seinem Wechsel in die Politik absolvierte er eine vierjährige Dienstzeit bei der Bundeswehr, danach eine Ausbildung als Bürokaufmann. Im Jahr 2000 begann er seine Laufbahn bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt war er in Anklam in der Verkehrsüberwachung tätig.

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Nordkurier vom 02.12.2017

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