Nach dem großen Bruch: Das ist der neue Chef der Vorpommern-AfD

Das Spitzenpersonal weg, das Geld knapper, die Landratswahlen vor der Tür. Die AfD im Landkreis Vorpommern-Greifswald muss sich neu sortieren. Nun hat die Partei einen neuen Kreisvorsitzenden, der bisher eher durch Abwesenheit glänzte.

Vorpommern. Der 32-jährige Stephan Reuken ist seit dem Wochenende Kreisvorsitzender der AfD. Ein Aufstieg mit Hindernissen für den Landtagsabgeordneten. Denn das Beben in der Bundes- und Landespartei nach den Bundestagswahlen traf den Kreisverband besonders heftig, der damalige Vorsitzende und der Kassenwart erklärten ihren Austritt, der Landtagsabgeordnete Dr. Matthias Manthei wechselte ebenfalls die Seiten, lässt heute kein gutes Haar mehr an der Partei.

„Das ist alles Geschichte“, beteuert der Historiker Reuken und bemüht sich, die Affäre kleinzureden. „Ich weiß gar nicht, ob man da von einem Flügelstreit reden kann, es waren einige wenige, die sehr laut waren und denen es mehr um persönliche Differenzen als um Positionen ging“, so Reuken. Die Stimmung auf dem Parteitag sei konstruktiv gewesen. „In der Summe ist eine Handvoll Mitglieder ausgetreten, aber gleichzeitig haben wir seit der Bundestagswahl deutlich mehr neue hinzugewonnen“, sagt er. Eine Verschiebung nach rechts im politischen Spektrum könne er auch nicht erkennen. Jetzt gelte es, vor allem die anstehenden Wahlen ins Auge zu fassen.

Reuken schaut dabei vor allem auf die Kommunalwahlen 2019, aber schon Ende Mai wird im Kreis ein neuer Landrat bestimmt. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ werde man einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken, so Reuken. Namen wollte er allerdings noch nicht nennen. Eine endgültige Entscheidung werde man auf einer geplanten Mitgliederversammlung Ende Januar treffen. Thematisch wolle man mit der Kritik am Windkraft-Ausbau und mit dem Thema „Familie im ländlichen Raum“ punkten. „Das polarisiert natürlich nicht so sehr wie die Zuwanderung, aber wir wollen mit Sacharbeit überzeugen.“

Wie sich die Partei in Vorpommern neu sortiert, dürfte auch für die gesamte AfD im Land eine kritische Frage sein. Mit 120 Mitgliedern ist der Kreisverband Vorpommern-Greifswald der zweitstärkste im Land. Bei den letzten Wahlen holte die AfD hier die stärksten Ergebnisse. Doch mit dem Austritt des Landtagsabgeordneten Manthei ist die AfD-Hochburg Anklam nun ein blinder Fleck in der Infrastruktur der Partei. Im Februar, so Reuken, wolle man sich zusammensetzen und besprechen, wie die Wahlkreisbüros neu sortiert werden. Welche Rolle er selbst dabei spielt, ließ er offen.

Reuken war bei der Landtagswahl als Direktkandidat im Ueckermünder Wahlkreis knapp gescheitert, allerdings über die Landesliste eingezogen. Schon im Wahlkampf glänzte er durch Abwesenheit, sein Büro eröffnete er Monate nach der Wahl in Greifswald. Den Vorwurf der Untätigkeit will er sich aber nicht gefallen lassen. „Die Fraktionskollegen, die sich mit Innerer Sicherheit oder Zuwanderung befassen, stehen natürlich mehr im Fokus der Öffentlichkeit“, erklärt er. In Zukunft werde er aber mehr Termine im Landkreis wahrnehmen.

An den losen Parteistrukturen dagegen will man vorerst festhalten, Ortsgruppen der AfD gibt es bislang nicht, lediglich Stammtische in Greifswald und Wolgast. Der neue Vorstand plane allerdings regelmäßige Mitgliederversammlungen. „Einmal im Quartal, ohne vorgegebenes Thema, an wechselnden Orten“, so der neue Vorsitzende.

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Nordkurier-Ueckermünde vom 13.12.2017

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