In trauter Zweisamkeit: AfD lädt zum Diskurs mit Pegida

Der Auftritt von Akteuren des „Pegida“-Bündnisses hat am Donnerstag in der Stadt für eine kurzfristige Gegen-Demo gesorgt. Pegida-Chef Lutz Bachmann warb für eine Zusammenarbeit zwischen AfD und Pegida.

Neubrandenburg. Es waren vor allem der Islam und die von ihm angeblich ausgehende Gefahr für die deutsche Zivilgesellschaft, die Pegida-Gründer Lutz Bachmann, seine Mitstreiter und den Neubrandenburger AfD-Abgeordneten Enrico Komning umtrieben, als sie Donnerstagabend im HKB zu einer „Informationsveranstaltung“ zusammenkamen. Komning, der den Termin arrangiert hatte, wollte damit für den Plan des nationalkonservativen Parteiflügels werben, Pegida als „Vorfeldorganisation“ der AfD zu etablieren. Man wolle künftig „Hand in Hand und Schulter an Schulter vorangehen“, sagte Komning.

Sowohl das Podium als auch die Gäste im Saal warnten eindringlich vor dem Islam und kritisierten dabei ausführlich die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel, die im Laufe des Abends mit zahlreichen Gehässigkeiten bedacht wurde. Auch sonst war das Vokabular gewohnt deftig, auch wenn sich die Teilnehmer merklich um gemäßigte Töne bemühten. Trotzdem wurden aus EU-Abgeordneten schnell mal „Volksverräter“, alle Zuwanderer wurden pauschal zu „Islamisten“ erklärt und die Anhänger des etablierten Parteienspektrums mit einer ganzen Salve unflätiger Bezeichnungen bedacht.

Vor den Toren des HKB hatten sich bereits zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung mehrere Initiativen mit Transparenten und Info-Ständen versammelt und gegen die Zusammenkunft protestiert. Sowohl die Jusos als auch die Linksjugend sowie Privatpersonen hatten entsprechende Veranstaltungen angemeldet, hieß es von den Behörden. Insgesamt nahmen daran rund 50 Personen teil. Sie protestierten vor Beginn der Veranstaltung mit Transparenten und Lautsprecher-Einspielungen, während des Termins dann mit Musik und Trommeln.

Neubrandenburg könne mehr, als dagegen sein

„Wir informieren ebenfalls über Pegida – und das dürfte sich inhaltlich sehr davon unterscheiden, was da drinnen gesprochen wird“, sagte der Juso-Kreisvorsitzende Felix Willer. Der Auftritt von Rechtspopulisten in Neubrandenburg erinnerte auch an Proteste gegen Auftritte des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke während Komnings Wahlkampf. Um an Demokratie teilzuhaben, gebe es „andere Möglichkeiten, als mit markigen Parolen durch Städte zu marschieren“.

Die Präsenz im Umfeld der Veranstaltung, so Willer, solle auch zeigen, dass „Neubrandenburg mehr kann, als dagegen sein“: Die Teilnehmer stünden für eine weltoffene, tolerante und vielfältige Gesellschaft. Deutliche Zeichen setzen wollten auch Jugendliche an der Stargarder Straße. Rechtspopulistische Kräfte „sollten hier nicht sprechen, ohne dass es Widerworte gibt“, sagte einer von ihnen. Bei der AfD-Veranstaltung werde es auf die Frage, was Pegida wirklich sei, „wohl kaum transparente Antworten“ geben, vermutete eine junge Frau.

Ob das stimmte, liegt freilich im Auge des Betrachters – denn bei der Pegida-AfD-Veranstaltung machten alle Akteure aus ihren Motiven keinen Hehl: Gemeinsam mit der AfD wolle Pegida eine „konservative Revolution in Deutschland schaffen“ und endlich die überfällige Gegenbewegung gegen die westdeutschen 68er in Kraft setzen, hieß es da etwa.

Auch einige der Protestierer nahmen zunächst an der Veranstaltung teil, verließen dann noch vor dem Beginn der Fragerunde den Saal. Enrico Komning äußerte darüber später sein Bedauern: „Aber das zeigt ja auch, was für eine Debattenkultur diese Leute pflegen, wenn sie vorher protestieren, dann aber lieber gehen.“

Kontakt zu den Autoren

red-neubrandenburg@nordkurier.de

http://www.nordkurier.de/
Nordkurier-Neubrandenburg vom 16.02.2018

Kommentare sind geschlossen.