AfD und Anklam: Erst Hochburg, nun Wüste

Was war das für ein Ergebnis. Nach der Landtagswahl 2016 galt Anklam als Hauptstadt der AfD. Doch die Partei kehrt der Stadt den Rücken. Kein Büro, kein Verband, kein Kandidat.

Anklam. Noch vor wenigen Wochen hatte der AfD-Kreisvorsitzende Stephan Reuken positive Signale gesendet. Man sei auf der Suche nach einem Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Anklam. Gut zwei Wochen blieben noch, um die gesetzliche Meldefrist zu halten, doch Reuken hat es aufgegeben. „Es gibt niemanden, der für uns antreten will und wir können ja auch keinen zwingen“, sagte er am Freitag. Damit überlässt die AfD in einer ihrer Hochburgen den Konkurrenten das Feld.

Bei der Landtagswahl bekam die Partei in der Stadt fast 27 Prozent der Stimmen. Im gesamten Wahlkreis um Anklam lag man sogar noch etwas besser – Direktmandat und großer Jubel. Das zweitbeste Ergebnis landesweit. Im Wahlkampf adelte man Anklam aus AfD-Sicht sogar mit einem Auftritt der Bundessprecherin Frauke Petry (inzwischen ausgetreten). Die Partei hatte damals scharfe Kritik daran geübt, dass Städte wie Anklam den Zentralisierungen der Landesregierung zum Opfer fielen. Bereitschaftspolizei abgezogen, Gericht degradiert, Kreisstadt-Status weg. Doch auch die AfD hat selbst so ihre liebe Not, bei der Präsenz im ländlichen Raum. Seit Monaten gibt es in Anklam kein Büro mehr, keine Veranstaltungen, keine Sprechstunden. Einen Ortsverband gab es nie, um eine Gründung hatte man sich nach eigenen Aussagen auch nicht bemüht.

Seit der Spaltung der AfD-Landtagsfraktion im Herbst ist die Partei in der Stadt auch nicht mehr offiziell vertreten. Mit dem Abgeordneten Dr. Matthias Manthei wechselte auch dessen Wahlkreisbüro zur neu gegründeten BMV-Fraktion. Die Partei wollte für Ersatz sorgen. Durch den Einzug Enrico Komnings in den Bundestag bestünden gute Chancen, dass man bald auch wieder in Anklam mit einem Büro präsent sei, erklärte Reuken im Dezember. Nun kommt es doch anders. „Wir konnten leider keine Lösung finden.“ Im Gespräch sei auch gewesen, die Kreisgeschäftsstelle von Greifswald nach Anklam zu verlegen. „Da gab es aber Widerstand von der Partei- basis“, so Reuken.

Auch Komning bestätigte am Freitag: Er wird kein Büro in Anklam eröffnen. Im großen Bundestagswahlkreis 16, habe er sich für die Standorte Neubrandenburg, Wolgast und Pasewalk entschieden – dort unterhält die AfD ohnehin schon Büros. Er bedauere, dass er in Anklam nicht präsenter sein könne, hoffe aber den Bereich mit der Ansprechstelle in Wolgast abzudecken. „Ich werde noch mal mit einem Mitarbeiter reden, ob er vielleicht monat- liche Sprechstunden anbieten kann. Aber versprechen kann ich das nicht“, erklärte er auf Nachfrage. Für die Wahlkreisarbeit und die Unterhaltung von Büros erhält Komning als Bundestagsabgeordneter eine monatliche Pauschale von rund 4300 Euro. Bis zu 20 870 Euro kann er monatlich für Mitarbeiterstellen abrechnen.

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Nordkurier-Anklam vom 24.02.2018

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