„Bin nicht mehr so tolerant“

Frischen Wind brauche die Demokratie, sagt ausgerechnet ein AfD-Aussteiger

Er war Mitgründer der AfD in MV und saß für sie im Landtag. Dann gründete Bernhard Wildt mit drei ehemaligen Mitstreitern die BMV-Fraktion und eine gleichnamige Partei. Im Gespräch mit Udo Roll erklärt er, warum die Demokratie lebendiger werden muss.

Herr Wildt, Sie verließen die AfD, weil Ihnen die Partei zu rechts geworden ist. Warum haben Sie als Co-Landesvorsitzender den Rechtsruck nicht verhindert?

Wildt: Ich war ja 2013 in die AfD eingetreten, als sie noch eine eurokritische Partei war. Aber wir waren damals viel zu naiv und haben fast jedes Mitglied aufgenommen. Von innen haben wir das Problem der rechtsextremen Unterwanderung dann nicht mehr bekämpft bekommen. Der Austritt war also eher eine Flucht. Es ging einfach nicht mehr.

Was haben Sie daraus für den Aufbau Ihrer neuen Partei und Fraktion gelernt?

Ich bin nicht mehr so tolerant, was neue Mitglieder angeht. So werden wir keine Identitären oder Anhänger anderer rechter Gruppen aufnehmen oder als Mitarbeiter anstellen. Die Parteimitglieder müssen sich dezidiert zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen. Das gibt uns die Möglichkeit, Extremisten auszuschließen. Bei der AfD war das kaum möglich.

Wie reagieren denn CDU, SPD und Linke im Landtag auf die BMV-Fraktion?

Viele Abgeordnete haben erleichtert reagiert. Von den anderen Fraktionen werden wir nun auf Augenhöhe anerkannt. Unsere Arbeit wird akzeptiert, auch wenn wir unterschiedliche Ideen und Meinungen haben.

Nächste Woche ist Landtagssitzung. Was dürfen wir von der BMV-Fraktion erwarten?

Wir werden in einem Antrag vorschlagen, die Amtszeit der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten auf eine Wiederwahl zu begrenzen. Als Signal aus MV sozusagen, um die Demokratie zu beleben.

Inwiefern?

Die AfD gäbe es gar nicht, wenn Angela Merkel nach acht Jahren nicht noch einmal angetreten wäre. Wenn sich Parteien nicht regelmäßig personell erneuern, ist das schädlich für die Demokratie. Die Menschen empfinden das als Stillstand und wenden sich von den demokratischen Parteien ab. Neue Köpfe bringen auch neue Impulse.

Was finden die anderen Fraktionen Ihren Vorschlag?

Wahrscheinlich wird der Antrag abgelehnt. Aber immerhin stoßen wir eine Debatte an.

http://www.svz.de/
Schweriner Volkszeitung vom 02.03.2018

Kommentare sind geschlossen.