Rostock droht heute das Demo-Chaos

Hunderte Teilnehmer zu AfD-Demo und Gegenprotesten erwartet / Das könnte nur der Anfang sein, fürchtet „Bunt statt braun“

Ganze Straßenzüge werden komplett gesperrt, Mülleimer und -container abgebaut, Parkplätze abgeriegelt: Rostocks Nordwesten droht heute Abend das (Verkehrs-)Chaos. Denn die Alternative für Deutschland (AfD) hat ab 18.30 Uhr in Evershagen eine Großdemonstration angemeldet. Motto: „Islamisierung stoppen – für eine sichere Heimat“. Das Bündnis „Rostock nazifrei“ hat zeitgleich eine Gegenveranstaltung angemeldet. Insgeheim wächst bei Polizei und Stadtverwaltung die Befürchtung, dass dieser Montag nur ein Vorgeschmack auf die kommenden Monate sein könnte: Denn die AfD hat bereits die nächsten Kundgebungen angemeldet.

Behörden erwarten Hunderte Demonstranten

Zuletzt hatte die AfD im Herbst 2015 zu einer Großdemo in Rostock aufgerufen. 1800 Personen waren nach Angaben der Polizei damals dem Aufruf gefolgt, rund 800 Gegendemonstranten stellten sich dem Aufmarsch in den Weg. Es flogen Flaschen und Böller, die Polizei musste mehrere Personen festnehmen. Für die Kundgebungen am Montag rechnen die Behörden mit ähnlichen Teilnehmerzahlen: Auf beiden Seiten werden jeweils mehrere Hundert Menschen erwartet.

In den sozialen Netzwerken im Internet, aber auch auf Flugblättern und Plakaten versuchen beide Seiten seit Tagen Teilnehmer zu mobilisieren. Dass es in Evershagen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wie vor zwei Jahren in der Innenstadt kommen könnte – nicht ausgeschlossen: So kursiert beispielsweise ein Flugblatt der Antifa, auf dem es heißt: „AfD-Demo zum Desaster machen.

Antifa heißt Angriff.“ Die Stadtverwaltung ist jedenfalls vorbereitet: Weil bei vorherigen Demos in Rostock immer wieder Mülleimer brannten, lässt das Rathaus rund um die Aufmarschroute Papierkörbe und Müllcontainer abbauen. „Nach Möglichkeit sollten im Bereich Gorki-, Morus-, Bredel-, Welk-, Brecht- und Makarenko-Straße keine Autos geparkt werden“, warnt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Die Straßenzüge würden bereits ab 17 Uhr gesperrt, die Buslinien 25 und 38 sowie die Straßenbahnen 1 und 5 werden umgeleitet oder fallen zeitweilig komplett aus.

Polizei: „Sind auf alles vorbereitet“

Rostocks Polizeichef Michael Ebert reagiert gelassen auf die kursierenden Nachrichten: „Wir kennen das alles und sind auf alle Szenarien vorbereitet“, sagt er. Wie viele Beamte im Einsatz sein werden – das verrät er aus taktischen Gründen aber nicht. Nur so viel: „Wir werden ausreichend Kräfte haben, um den Teilnehmern der angemeldeten Kundgebungen die im Grundgesetz verankerte Versammlungsfreiheit zu ermöglichen.“ Ähnlich äußert sich Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD): „Das Versammlungsrecht ist ein hohes demokratisches Gut, das wir als Teil unserer verfassungsmäßigen Ordnung in Deutschland schützen müssen und wollen.“

Längst heißt es, dieser Montag könnte nur der Anfang sein: Für Anfang April hat die AfD bereits die nächste Kundgebung angemeldet – wieder für einen Montag. „Bis vor Kurzem marschierte an Montagabenden noch die von der NPD gesteuert MVgida durch die Straßen. Nun will offenbar die AfD das Ruder übernehmen“, sagt Matthias Siems vom Bündnis „Bunt statt braun“. An den bisherigen AfD- Kundgebungen hatten auch Aktivisten der NPD teilgenommen. Zuletzt sorgte ein geplanter Schulterschluss der Partei mit der als rechtsextremistisch eingestuften Identitären Bewegung für Schlagzeilen.

„Wir haben die Sorge, dass die AfD und andere Gruppen eine regelmäßige Plattform in Rostock aufbauen wollen – und dass sie in allen Stadtteilen auf die Straße gehen wollen.“ Dass die AfD den Auftakt in Evershagen macht, ist kein Zufall: Monatelang hatte es in dem Stadtteil Diskussionen und Protest gegen einen geplanten Gebetsraum des Islamischen Bundes im Viertel gegeben. Die Pläne wurden zwischenzeitlich aber aufgegeben.

Vize-OB: „In Rostock ist kein Platz für Hass und Gewalt“

„Bunt statt braun“-Sprecher Siems stellt klar: „Wir werden niemanden daran hindern, seine Meinung zu äußern. Aber wir werden uns Aufrufen zur rassistischen Hetze und zur Islamfeindlichkeit entgegenstellen.“ Der Gegenprotest zur AfD-Demo startet um 17 Uhr mit einer interkulturellen Andacht in der Thomas-Morus-Kirche. Vertreter der evangelisch-lutherischen sowie der katholischen Kirche, aber auch des Islamischen Bundes und der Jüdischen Gemeinde nehmen daran teil. Anschließend wollen die Teilnehmer in der Nähe des Lidl-Parkplatzes an der Maxim-Gorki-Straße gegen den AfD-Aufmarsch protestieren. Die AfD indes startet um 18.30 Uhr auf dem Supermarkt-Parkplatz.

Rostocks Vize-OB Müller von Wrycz-Rekowski bekennt sich im Vorfeld ganz klar: Die Hanse- und Universitätsstadt stehe für „Weltoffenheit, für Freiheit und die Neugier auf das Unbekannte.“ Er würde sich daher freuen, wenn sich möglichst viele Rostocker den Kundgebungen für Toleranz und Vielfalt anschließen: „Gegenseitige Ablehnung und Rassismus sind keine gute Grundlage, um Rostock weiter nach vorn zu entwickeln. Nutzen wir den Tag also, um deutlich zu machen, dass Hass, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt in unserer schönen Stadt keinen Platz haben!“

Fünf Polizisten verletzt

2600 Menschen hatte die bisher letzte Großdemo der AfD im Herbst 2015 mobilisiert. Damals standen 1600 AfD-Anhänger rund 800 Gegendemonstraten gegenüber. Bei Ausschreitungen wurden fünf Polizisten verletzt.

http://www.ostsee-zeitung.de/
Ostsee-Zeitung-Bad Doberan vom 12.03.2018

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