Rostock im Ausnahmezustand

Hunderte bei AfD-Marsch gegen vermeintliche Islamisierung / Gegendemo wirbt für Toleranz

Rund 600 Anhänger der AfD haben gestern Abend im Rostocker Stadtteil Evershagen gegen eine vermeintliche Islamisierung demonstriert. Ihnen gegenüber standen etwa 900 Gegendemonstranten, die unter dem Motto „Rostock für alle“ auf die Straße gingen. Die Polizei war mit starken Kräften – darunter zwei Wasserwerfer und Hunde – vor Ort, um gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern. Beide Lager hätten wirksam voneinander getrennt werden können, hieß es von der Polizei.

Die AfD wollte angeblich gegen eine vermeintliche Islamisierung in Evershagen und die Nutzung eines vorhandenen Gebäudes als Gebetsraum demonstrieren. Allerdings ist diese Nutzung schon lange nicht mehr in Planung, wie ein Stadtsprecher sagte. Trotzdem sagte ein Redner auf der Demonstration: „Wir marschieren, bevor der erste Stein gesetzt wird.“ Unter den AfD-Demonstranten waren neben dem Landtagsabgeordneten Ralph Weber Beobachtern zufolge auch mehrere Anhänger der rechtsextremen Identitären Bewegung. Immer wieder skandierten zahlreiche Teilnehmer „Widerstand, Widerstand“. Vereinzelt war auch der von NPD-Demonstrationen bekannte Ruf „Nationaler Sozialismus jetzt!“ zu hören.

Vor den Demonstrationen hatten Kirchenvertreter zu einer interkulturellen Andacht in die katholische Thomas-Morus-Kirche geladen. Gut 200 Mitglieder – unter anderem der jüdischen und muslimischen Gemeinde – waren der Einladung gefolgt. Die AfD kündigte eine weitere Demonstration für den 9. April an.

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Ostsee-Zeitung vom 13.03.2018

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