AfD: Gebühren für ausländische Studenten

„Völlig abwegig“, reagiert Ministerin Hesse / Rostocker Uni-Rektor warnt vor Diskriminierung

Für Empörung sorgt ein Gesetzentwurf der AfD im Landtag: Die Fraktion will an den Hochschulen pauschal Gebühren für „internationale Studenten“, also Ausländer, einführen. Die AfD begründet dies mit höheren Kosten bei der Betreuung dieser Studenten. Der Rektor der Universität Rostock, Prof. Wolfgang Schareck, weist dies als „Diskriminierung“ zurück.

Internationale Studenten bedeuteten einen erhöhten Aufwand an den Hochschulen, begründet die AfD ihren dreiseitigen Entwurf zur Änderung des Landeshochschulgesetzes, der heute im Landtag debattiert wird. Insbesondere begleitende Sprachangebote seien „besonders kostenintensiv“. Daher sollten ausländische Studenten Gebühren über 500 Euro pro Semester zahlen. Vorbild sei Baden-Württemberg, wo sich genannte Studenten seit dem vergangenen Herbst pro Semester mit 1500 Euro beteiligen müssen. Er gehe davon aus, dass die Betroffenen meist sowieso dank Stipendien über genügend Geld verfügen, so AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer. Ausnahmen von der Regel sollen für Studenten gemacht werden, deren Familien aus der EU stammen oder die bereits in Deutschland ein Studium abgeschlossen haben.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) weist den Gesetzentwurf als „völlig abwegig“ zurück. „Wir können doch auf der einen Seite nicht mit unseren weltoffenen Hochschulen werben und andererseits nur ausländische Studierende zur Kasse bitten. Das passt nicht zusammen“, so Hesse. Die Hochschulen lebten „vom internationalen Austausch und vom Blick über den Tellerrand“. Gut 3100 ausländische Studenten sind an Hochschulen in MV eingeschrieben, davon 2500 aus Nicht-EU-Staaten.

Internationalisierung sei wichtig, erklärt der Rostocker Uni-Rektor Wolfgang Schareck. Dies mache die Uni „weltoffener und eröffnet neue Erkenntniswelten“, so Schareck. Er erinnert an die ausländerfeindlichen Krawalle 1992 in Lichtenhagen. Die Uni sei stolz, dass der Anteil ausländischer Studenten mittlerweile auf über elf Prozent gesteigert werden konnte. „Studiengebühren für Gäste aus Nicht-EU-Ländern lehne ich als diskriminierend ab“, so Schareck. Denn dies wäre im „Wettbewerb um die besten Köpfe das völlig falsche Signal“. Auch die Uni Greifswald lehnt Gebühren für ausländische Studenten ab.

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Ostsee-Zeitung vom 26.04.2018

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