Nordkurier-Kommentator geht Identitären auf den Leim

Seit dem 01. Juni 2018 scheinen die Seiten der Identitären Deutschland und auch Mecklenburg-Vorpommern auf den Plattformen Facebook und Instagram gesperrt zu sein. Der Nordkurier-Autor Gabriel Kords war sich nicht zu schade, den Vorgang auf seine Art und Weise zu kommentieren. Es zeigt sich jedoch, dass Kords offensichtlich über wenig Sachverstand – was die Identitären betrifft – verfügt. Lieber Herr Kords, gern helfen wir auf die Sprünge – im Übrigen sind wir auch immer per Mail oÄ erreichbar, falls es mal sachgerechte Einschätzungen braucht.

Im Kommentar heißt es: „Ohne Frage: Die Identitären sind rechtsaußen. Man kann sie auch für rechtsextrem halten, man muss es allerdings nicht.“ Natürlich muss man die Identitären nicht als das kategorisieren, was sie sind. Tut man das aber nicht, hat man seine Glaubwürdigkeit im faktenbasierten Diskurs verspielt. Identitäre sehen sich laut eigener Aussage in der Tradition der sogenannten „Konservativen Revolution“. Eine Denkrichtung, die, entgegen ihres irreführenden Namens, bereits in den Entstehungsjahren der 1920er von zeitgenössischen Wissenschaftler_innen als faschistisch eingestuft wurde. Zwar grenzten sich die Theoretiker vom Nationalsozialismus ab, vertraten jedoch durchaus Positionen eines völkischen Rassismus, Nationalismus und waren dem Führerprinzip nicht abgeneigt. Wer das nicht als extrem rechts einstufen kann, hat als Journalist die Diskurslatte eigenständig weit rechts angelegt.

Weiter heißt es in Kords Kommentar: „Die Identitären lehnen Gewalt ab […]“. Leider auch hier sachlich falsch berichtet. Nicht nur, dass so gut wie sämtliche Kader der Identitären ihre politische Karriere in neonazistischen Strukturen & Kameradschaften begonnen und unter ihren „Vorgängerlabels“ Gewalt als legitimes Mittel ihrer politischen Praxis genutzt haben, es genügt auch ein Blick in die jüngste Vergangenheit, um zu sehen, dass Kords Sympathie für die „gewaltfreien“ rechten Aktivisten, Augenwischerei ist: Am 14. Mai zog die AfD inklusive Identitären und rechten Hooligans durch den Rostocker Stadtteil Lütten-Klein. Am Rande der Demo kam es beinahe zu einem Angriff auf einen Journalisten. Rechte Aktivsten jagten ihn – unter ihnen auch der Rostocker und Bundessprecher der Identitären Daniel Fiß. Während bei der vergangenen AfD-Demonstration schlimmeres verhindert werden konnte, war dies Anfang 2017 in Schleswig-Holstein nicht der Fall. Seinerzeit versuchte der Identitäre Aktivist Volker Zierke einen Antifaschisten mit einem Messer zu töten. Auch abseits des norddeutschen Raums treten Identitäre gewalttätig auf. Paradebeispiel ist der identitäre Ableger „Kontrakultur Halle“. Nach gewalttätigen Übergriffen von Identitären auf Studierende in einer Mensa der Universität, fielen auch Polizeibeamte den Aggressionen der bewaffneten Identitären zum Opfer. Die Beamten konnten sich erst nach Absetzen eines Warnschusses aus der Bedrohungssituation lösen.
Wie hier von Gewaltfreiheit in Bezug auf die Identitären gesprochen werden kann, erscheint absolut schleierhaft.

Kords begeht zentrale Fehler in der Bewertung der Identitären: er ist der Meinung, die Ideologie sei einfältig, stellt die Identitären zuweilen als dumm dar. Er ist der Meinung, Identitäre wären gewaltfrei, stellt sie als Saubermänner des politischen Diskurses dar. Er ist der Meinung, man könne Identitäre nicht als extrem rechts bezeichnen und verniedlicht damit ihre ideologischen Grundpfeiler. Dass er daher mit Identitären „auf Augenhöhe“ diskutieren will, verwundert nicht.

Für uns bleibt klar: Identitäre sind Faschisten, gewalttätig und nicht zu unterschätzen. Daher werden wir – nach wie vor – nicht mit ihnen diskutieren, wie Kords vorschlägt, sondern aktiv gegen sie arbeiten.

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