Rechtsprofessor der AfD fliegt aus Hotelzimmer

Ein Augsburger Hotel hat den Mecklenburg-Vorpommerschen Landtagsabgeordneten Ralph Weber (AfD) wieder ausgeladen. Der fühlt sich nun an die Judenverfolgung erinnert.

Augsburg. So weit ist es jetzt also schon gekommen. Ralph Weber, AfD-Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, fühlt sich an ganz schlimme Zeiten erinnern. Er wittert eine „Pogromstimmung“ im Land, sieht sich und seine Partei Nazi-Methoden ausgesetzt. Der Grund: Ein Augsburger Hotel hat ihm und seiner Frau in dieser Woche ein bereits gebuchtes Zimmer wieder storniert. Dies sei „skandalös“ und „feige“, schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Er vergleicht dies mit nichts weniger als der Verfolgung der Juden in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus.

Weber ist einer von rund 600 Delegierten für einen AfD-Bundesparteitag vom 30. Juni bis 1. Juli in Augsburg. Das Hotel „Drei Mohren“, das zur Steigenberger-Gruppe gehört, bestätigt gegenüber dem Nordkurier, Weber wieder ausgeladen zu haben. Eine Sprecherin argumentiert mit Sicherheitsbedenken.

Zum Parteitag rechnet die Augsburger Polizei mit dem größten Einsatz in ihrer Geschichte. 2000 zusätzliche Beamte werden an dem Wochenende im Einsatz sein, um auch die vielen Demonstrationen absichern zu können. „Gewaltbereite Linksautonome haben zu Krawallen aufgerufen. Um die Sicherheit und das Wohlergehen all unserer Gäste zu gewährleisten, haben wir uns zu diesem Schritt entschieden“, so die Steigenberger-Sprecherin.

Weber vermutet hinter de Entscheidung eine größere Verschwörung: „Die neuen Nazis von der Antifa und deren Helfer haben die alten Gestapo-Methoden der Ausgrenzung und Drohung mit Gewalt gegen all jene, die sich dem nicht anschließen, gut verinnerlicht und nachvollzogen.“ Kein „Freund der AfD“ solle in Zukunft ein Zimmer der Steigenberger-Hotelkette buchen.

Weber will rechtlich gegen Hotel vorgehen

Weber kündigte zudem rechtliche Schritte gegen die Stornierung an. Vom Hotel heißt es, dass dies bislang noch nicht passiert sei. Im Kommentarbereich kündigten bereits viele Gefolgsleute Webers an, das Hotel in Bewertungsportalen herunterzustufen.

Der Rechtsprofesser ist schon öfter durch provozierende Äußerungen aufgefallen. Vor gut einem Jahr schrieb er auf Facebook vom „großen Austausch“, der nicht stattfinden dürfe. Er benutzte auch NPD-Jargon wie „Deutschland den Deutschen“, sprach von „Biodeutschen mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern“ und einem „Schuldkult“ nach dem Zweiten Weltkrieg, der beendet gehöre. Später löschte er einige Aussagen. Er wurde von der eigenen Partei und seinem Arbeitgeber, der Uni Greifswald, abgemahnt. Laut einem Bericht der „Welt“ stehen auch andere Delegierte vor dem Problem, dass ihre Zimmer gekündigt wurden.

So habe auch das Hotel „Holiday Inn Express“ mehrere AfD-Mitglieder ausgeladen, darunter Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland, Fraktionschefin Alice Weidel, Fraktionsvize Beatrix von Storch sowie die Bundesvizechefs Albrecht Glaser und Kay Gottschalk. Auch der Brandenburger AfD-Vorsitzende Andreas Kalbitz ist betroffen. Die „Welt“ zitiert aus einem Brief, den die AfD-Parteigeschäftsstelle von der Success Hotel Group, zu der das „Holiday Inn Express“ gehört, erhalten habe. Demnach sei elf Parteimitgliedern der Aufenthalt nicht gestattet worden. Grund dafür seien „umstrittene, öffentlich getätigte Äußerungen der genannten Personen, die sich gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Abstammung richten“. Es sei nicht möglich, dies mit der „internationalen Ausrichtung unseres Hotels und unserer multikulturellen Gästestruktur“ zu vereinen.

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Nordkurier vom 09.06.2018

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