Nur 300 AfD-Anhänger in Rostock – fast 3.000 halten dagegen

In Rostock geht die AfD weiterhin jeden Monat auf die Straße, doch die Organisatoren haben zunehmend mit Mobilisierungsproblemen zu kämpfen. Nur noch 300 Anhänger folgten dem Aufruf – knapp 3.000 Personen standen ihnen gegenüber. Eine AfD-Landtagsabgeordnete diffamiert diese als „linke Faschisten“.

„7. Großdemo! Für unser Land und unsere Kinder“ hier es in dem Aufruf der AfD für die gestrige Demonstration in Rostock. Dem Anspruch einer Großdemonstration wurden jedoch weder die ersten sechs Versammlungen noch die gestrige gerecht. Nachdem Ende September noch rund 700 AfD-Sympathisanten Björn Höcke auf dem Neuen Markt in Rostock sahen, brach die Teilnehmerzahl ein, lediglich 300 Personen fanden sich auf dem zentralen Platz ein.

Der Rostocker Kreisverband stellt derzeit Demonstrationen im Vier-Wochen-Rhythmus auf die Beine, doch immer mehr AfD-Mitglieder bleiben diesen zunehmend fern, die Teilnehmerzahlen sind rückläufig. Ein Grund dürfte die kaum wahrnehmbare Mobilisierung der Gliederung sei, erst durch einen Bericht der Ostsee-Zeitung wurde beispielsweise bekannt, dass Doris von Sayn-Wittgenstein, AfD-Landesvorsitzende aus Schleswig-Holstein, als Rednerin auftreten würde.

AfD in altbewährter Opferrolle

Eines hatten alle Redner am Sonnabend gemein, sie arbeiteten sich deutlich an den Gegenprotesten ab, die diesmal in wenigen Metern Entfernung auch auf dem Neuen Markt anzutreffen waren. Sayn-Wittgenstein zeigte sich empört über diesen Umstand, man dürfe „Meinung und Protest nicht demokratisch äußern“. Woran die 64-Jährige das festmacht, wird wohl ihr Geheimnis bleiben, denn eine Beschneidung der AfD-Proteste war an dem Abend nicht festzustellen.

Fotogalerie der AfD-Versammlung und Gegendemo

Schließlich setzte sich der Mini-Trupp in Bewegung, es ging auf einer knapp einen Kilometer langen Strecke durch eine Einkaufspassage zurück zum Startpunkt. Die Straßen waren aufgrund der polizeilichen Sperrungen größtenteils wie leergefegt. Ohnehin war die Polizei erneut mit einem massiven Aufgebot vor Ort. 900 Beamte waren im Einsatz, Unterstützung wurde aus mehreren Bundesländern angefordert, Wasserwerfer und Reiterstaffeln waren präsent. Doch die Polizisten hatten einen äußerst ruhigen Abend.

Erneut am Neuen Markt angekommen, trat die brandenburgische Landtagsabgeordnete Birgit Bessin ans Mikro und erklärte, sie sei „begeistert, wie viele hier heute von euch stehen.“ Und: „Wir werden immer mehr“ – mit dieser Einschätzung lag sie an dem Abend deutlich daneben. Anschließend arbeitete sich die Funktionärin an den Gegenprotesten ab, die von etlichen Bündnissen, Parteien und Gewerkschaften organisiert bzw. unterstützt wurden. „Den Vereinen, die um uns herumstehen, müssen die Gelder gestrichen und finanziell trockengelegt werden“, so Bessin. Die rund 2.800 AfD-Gegner bezeichnete sie als „linke Faschisten“.

Weitere Demos angekündigt

Ein weiterer Redner nahm Bezug auf die Anfang Oktober festgenommenen Neonazis der mutmaßlich rechtsterroristischen Gruppierung „Revolution Chemnitz“. Bei den Razzien wurde keine Schusswaffen gefunden, in rechten Kreisen seitdem ein Indiz für die vermeintliche Harmlosigkeit der Gruppe. So relativierte auch der AfD-Mann eine mögliche Gefahr: „Kauft euch kein Luftgewehr.“ Eine Anspielung auf ein während der Durchsuchungen gefundenes Luftgewehr.

Kurz vor Ende kam es zudem zu einer Farbattacke auf die Gegendemo. Rund drei bis vier Dutzend Personen, die sich in der Nähe der Absperrung zur AfD aufhielten, wurden von einer blauen Flüssigkeit getroffen, die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.

Am 16. November und 12. Dezember will die Alternative für Deutschland dann wieder in der Hansestadt demonstrieren. Nach dem gestrigen Verlauf dürften es die Organisatoren um Vize-Chef Volker Litke und den Beisitzer Steffen Reinicke nicht einfacher haben, ihre Anhänger zur Teilnahme zu bewegen.

Endstation Rechts vom 21.10.2018

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