2200 Rostocker pfeifen AfD-Demo aus

Ein paar Eierwürfe – aber das war’s: Bei den Kundgebungen am Freitagabend im Hansaviertel blieb es friedlich

Hansaviertel. Ob es an der Kälte, an den Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt lag? Bei den mit Spannung erwarteten Kundgebungen am Freitagabend im Rostocker Hansaviertel blieb es jedenfalls absolut friedlich. Beide Seiten – die Anhänger der Alternative für Deutschland und auch die Gegendemonstranten – behielten auch bei der mittlerweile achten Demo der AfD in diesem Jahr in der Hansestadt einen kühlen Kopf. Protest ja, Gewalt nein.

Bereits seit Tagen hatten sich Anwohner und auch die Polizei auf die Kundgebungen auf dem Platz der Freiheit – direkt vor dem Ostseestadion – vorbereitet. Bereits seit Freitagmorgen galt entlang vieler Straße absolutes Parkverbot. Am Nachmittag wurden erste Straßen gesperrt. Hilfe in der (Stellplatz-)Not kam vom FC Hansa Rostock: Der Verein stellte den Anwohnern seine VIP-Parkplätze am Stadion als Ausweichfläche zur Verfügung. Kindergärten und Horte hatten die Eltern schon im Vorfeld aufgefordert, ihre Kinder an diesem Freitag rechtzeitig abzuholen.

Die Vorbereitungen führten zum Teil zu gespenstischen Szenen: Die Straßen im Viertel waren verwaist. Nur wenige Anwohner beeilten sich noch, rechtzeitig vor den Demos nach Hause zu kommen. Wo sonst Hunderte Autos im Feierabendverkehr unterwegs sind, herrschte gähnende Leere. Mitten auf der menschenleeren Kopernikusstraße hatte die Polizei schwere Stahlgitter als Absperrung aufgebaut. In den Seitenstraßen überall Einsatzfahrzeuge – und Wasserwerfer in Bereitschaft. Zum Einsatz kamen die jedoch nicht. Insgesamt 600 Beamte hatte die Rostocker Polizei nach Angaben von Behördensprecherin Yvonne Hanske im Hansaviertel zusammengezogen. Neben Hundertschaften aus MV kamen auch Einsatzkräfte aus Berlin und der Bundespolizei zum Einsatz. Mit dabei erneut auch eine Pferdestaffel.

Waren zu den ersten Demos der AfD im Frühjahr in Evershagen noch mehr als 600 Teilnehmer gekommen (die Organisatoren selbst sprachen sogar von mehr als 1000 Sympathisanten), so wurden es zuletzt immer weniger: Vor gut vier Wochen, bei der AfD-Kundgebung in der Innenstadt, waren nur noch 250 Menschen dabei. Am Freitag im Hansaviertel sogar nur noch knapp 210.

Auch dieses Mal waren die Gegendemonstranten klar in der Mehrheit: Polizei und Versammlungsbehörden sprachen übereinstimmend von 2200 Rostockern, die den Aufrufen von Gewerkschaften, Parteien sowie Initiativen wie „Rostock nazifrei“ und „Bunt statt braun“ gefolgt waren. Vor dem Ostseestadion standen sich beide Lager gegenüber, getrennt von Polizisten. Redebeiträge auf der AfD-Kundgebung wurden von einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert übertönt. Polizeisprecherin Hanske berichtet lediglich von einem Vorfall am Rande: „Die Teilnehmer des AfD-Aufzuges sind mit Eiern beworfen worden.“ Verletzt worden sei niemand.

Bei der AfD-Demo standen dieses Mal zwei Themen im Fokus: Auf Plakaten forderten die Teilnehmer einen Stop der angeblichen Kriegstreiberei der Nato-Staaten gegen Russland. Und: Die Teilnehmer protestierten gegen den Migrationspakt der Vereinten Nationen. Ein 80 Jahre alter Rostocker schwenkt die Deutschland-Fahne und sagt: „Es ist wichtig, hier heute Flagge zu zeigen.“ Es heiße immer, dass die Vergangenheit in der DDR aufgearbeitet werden müsse. „Aber wer arbeitet mal die Fehler in der Bundesrepublik auf?“, fragt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Dass es immer weniger Kundgebungsteilnehmer auf Seiten der AfD werden, wundere ihn nicht. „Die Leute haben Angst, sich hier zu zeigen, weil sie sofort fotografiert und gefilmt werden.“

Auf der anderen Seite, bei der Gegendemo, steht Uta Hildebrandt mit Christine Buhrand und Jens Röpken. Hildebrandt zeigt mit einem Plakat deutlich, was sie von der AfD hält: „Ich will nicht, dass unsere Kinder und unser Land von diesen Rechten in Beschlag genommen werden.“ Die Hetze der Partei und ihrer Anhänger sei „ekelh-afd!“

Die Demo wird aber nicht der letzte Aufzug der AfD in diesem Jahr in Rostock gewesen sein. Die Partei kündigt die nächsten Kundgebungen für den 12. Dezember auf dem Ulmenmarkt in der KTV an.

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Ostsee-Zeitung-Rostock vom 17.11.2018

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