Redebeitrag Rostock Nazifrei Demo 16.11. in Rostock

Als vor knapp zwei Jahren die Meldung bekannt wurde, dass die Identitären im Rostocker Bahnhofsviertel ihre neue Bundeszentrale eröffnen wollen, schien die Aussicht auf den zivilgesellschaftlichen Protest auf allen Ebenen, wie er heute Gang und Gebe ist, schwer vorstellbar. Seitdem arbeiten wir, zusammen mit der Zivilgesellschaft und anderen Unterstützer_innenkreisen auf ein bestimmtes Ziel hin:

Das Ziel war, die ‚identitäre‘ Bundeszentrale, die hier in der Graf-Schack-Straße im Rostocker Bahnhofsviertel Fuß gefasst hatte, dichtzumachen. Ende Oktober war es dann soweit – die ‚Identitären‘ sind ausgezogen! Ihre strukturgebende Bundeszentrale haben sie in Kisten verpackt und in Transporter gestapelt. So schnell kanns gehen. Zuletzt sind im April circa 1.000 Menschen durch das Viertel gezogen und haben lautstark verlauten lassen, dass sie keinen Bock auf Neofaschisten in der Nachbar_innenschaft haben. An dieser Stelle gebührt allen Engagierten ein herzlicher Dank: Ein Dank an Anwohner_innen, an die Szene, an einige Kommunalpolitiker_innen, sowie Rostock Nazifrei und extra für die Demo Angereiste. Diese bunte Mischung aus verschiedenen gesellschaftlichen Akteur_innen hat einmal mehr gezeigt, wie bunt und vielfältig Rostock ist und dass hier menschenverachtende Hetze keinen Platz findet. Offensichtlich hat sich der Vermieter Radau Immobilien dem gesellschaftlichen Druck gebeugt und den Mietvertrag mit dem ‚identitären‘ Kader Daniel Sebbin nicht verlängert.

Die ‚Identitären‘ sind in den vergangenen Monaten immer wieder als OrdnerInnen und Fotograf_innen bei den AfD-Demonstrationen aufgefallen. Dabei waren nicht nur die alten Hasen immer wieder zu sehen. In den letzten Monaten kamen auch neue Gesichter hinzu. Über den eigentlichen Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD in Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den rechtsradikalen selbsternannten ‚Identitären‘ brauchen wir nicht mehr sprechen. Dieser lächerliche Versuch den Schein zu wahren ist längst dahin. Wer mit solchen Kräften zusammenarbeitet sollte endlich aufhören zu jammern, selbst in die rechte Ecke gestellt zu werden.

Die Zusammenarbeit von AfD und ‚Identitären‘ geht jedoch weit über die Demoaktivitäten hinaus. Auch gegenseitige Stammtischbesuche konnten über die letzten Jahre hinweg immer wieder beobachtet werden. Sei es Stephan Schmidt, der bei den ‚Identitären‘ in der GSS7 zu Besuch war, oder auch ‚identitäre‘ Kader wie Hannes Krünnägel auf geheimen AfD-Stammtisch-Veranstaltungen. Wie eng die Verbindung zwischen AfD und ‚Identitären‘ sein kann, zeigt das Beispiel einer Greifswalder Neofaschistin Eike Liefke, die mit dem Landtagsabgeordneten Reuken liiert ist.

Die Rostocker ‚Identitären‘ sind jedoch noch nicht in einen Winterschlaf verfallen: sie leisten Aufbau- und Strukturarbeit in anderen Städten, z.B. Greifswald, turnen auf den AfD-Demonstrationen herum, erweitern ihre komplexen Firmenstrukturen und sind weiterhin aktionistisch aktiv. Wie kürzlich an der Universität Rostock, wo sie diesmal mit einer eher semikreativen Aktion quasi null Aufmerksamkeit auf sich regten.

Auch wenn die Graf-Schack-Straße 7 nun frei von NeofaschistInnen ist, so werden wir nicht aufhören. Die Vermutung liegt nur zu nahe, dass sie sich ein anderes Objekt in Rostock gesucht haben, von wo aus sie ihre Strukturarbeit wieder aufnehmen, ihren Versandhandel weiter betreiben und einen neuen Treffpunkt gefunden haben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ihr neuer Standort aufgedeckt wird und sie sich, ob sie wollen oder nicht, mit erneutem Protest auseinandersetzen müssen.

Wir werden auf jeden Fall weiterkämpfen und den Identitären keine ungestörten Rückzugsorte ermöglichen.
Gegen eine Identitäre Bundeszentrale in Rostock!

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