Wittenburg: AfD, Neonazis und Reichsbürger auf Mahnwache

Im mecklenburgischen Wittenburg wurde vergangenes Wochenende ein Rentner ermordet, tatverdächtig ist ein Asylbewerber. In den letzten Tagen versammelten sich neben Neonazis und Reichsbürgern vor allem AfD-Anhänger vor Ort, die Mobilisierung verlief jedoch schleppend. Ursprünglich deklariert als Mahnwache, verstiegen sich die AfD-Landesvorsitzenden in klassische Anti-Asyl-Reden und beschwörten viele weitere Tote herauf.

Vor einer Woche wurde der 85-jährige Dietrich P. in Wittenburg ermordet – seitdem haben sich gleich mehrfach Personen des rechten Spektrums in der 6.000 Einwohner-Stadt versammelt, um den Vorfall zu thematisieren. So wurde vor dem Wohnhaus des Rentner der ehemalige NPD-Fraktionschef Udo Pastörs, dessen Wohnort nur wenige Kilometer entfernt liegt, gesehen. Pastörs sprach von einem „Auftakt“.

Doch passiert ist seitdem wenig. Offiziell hat die NPD, deren Kader in der Region zahlreich vertreten sind, bislang keine Versammlungen angemeldet, die Mobilisierungsfähigkeit der rechtsextremen Partei funktioniert nur noch bedingt. Und so kam es dann auch, dass sich vereinzelt Sympathisanten der NPD und Kameradschafts-Mitglieder den Veranstaltungen der AfD anschlossen, die innerhalb einer Woche gleich drei Mahnwachen durchführte.

NPD-Werbung auf AfD-Mahnwache

Am Freitagabend hatte die Bürgermeisterin und die Stadt zu einem Gebet in die Kirchengemeinde geladen, rund 200 Personen fanden sich dort ein. Nur 20 Meter weiter hatte die AfD zu einer Mahnwache auf den Markt gerufen. Und nochmal einige Schritte weiter gab es mit der Reichsbürger-Gruppierung „Staatenlos“ eine weitere Kundgebung. Deren Redner Rüdiger Hoffmann, ehemals NPD-Mitglied, trat dort mit einem knappen Dutzend Mitstreiter auf – wie ohnehin seit Monaten unzählige Male. Hoffmann zeigte sich enttäuscht, dass die AfD an dem Abend keine gemeinsame Sache machen wollte.

NPD-Anhänger mit „Schutzzonen“-Westen

Der Mahnwache der Alternative für Deutschland schlossen sich rund 150 Personen an, darunter vereinzelt auch Neonazis. Einige hatten sich sogenannte „Schutzzonen“-Westen übergezogen, eine Kampagne der NPD, mit der die Partei für ihre Verhältnisse derzeit relativ viel Aufmerksamkeit generieren kann.

Von der Idee einer Mahnwache entfernte sich die AfD an dem Abend dann recht schnell und deutlich. Philip Steinbeck, für gewöhnlich eher Strippenzieher im Hintergrund, trat als erster Redner auf und eröffnete mit Worten, die thematisch wohl eher auf eine klassische Anti-Asyl-Demonstration passen würden. Für Trauer oder Anteilnahme war hier maximal am Rande Platz. Dafür ging Steinbeck auf Details der Mordnacht ein.

Schreckensszenario

Im Anschluss wurde das Megafon an die beiden Landesvorsitzenden Leif-Erik Holm und Dennis Augustin übergeben, die ihre Reden zum Thema Asyl und Migration herunterspulten. Augustin, Hardliner in seinem Landesverband, warnte vor „Millionen Fremden“, die „Islamisierung“ würde mit einer „gewaltigen Welle“ über das Land rollen und ergänzt: „Wenn wir das nicht verhindern, werden wir umkommen. Viele von uns werden physisch nicht überleben.“

Reichsbürger Rüdiger Hoffmann war ebenfalls auf dem Wittenburger Markt

Nach etwa einer halben Stunde beendete Versammlungsleiter Ralf Eisenhardt die Veranstaltung. Der AfD-Funktionär hofft auf eine weitere Demonstration zum Thema Asyl, weitere Termine wurden jedoch nicht bekanntgegeben. Die breiten Massen konnte die AfD nicht auf die Straße bringen, was auch an der geringen Bevölkerungsdichte der Region liegen dürfte.

Auch wird die Parteiführung sich genau überlegen, wie der Vorfall am besten für die eigenen Zwecke genutzt werden kann. Denn die Demos in Chemnitz, denen sich unzählige Neonazis und rechtsextreme Gruppen angeschlossen hatten, riefen die Sicherheitsbehörden auf den Plan und eine mögliche Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz war schnell in aller Munde. Eine weitere Debatte dazu wird die Parteiführung tunlichst vermeiden wollen.

Endstation Rechts vom 26.11.2018

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