Hasen und fliegende Eier

Großes Konfliktpotenzial, kaum Probleme: 200 AfD-Anhänger treffen in Rostock auf 3200 Gegendemonstranten

Nicole Pätzold-Glaß ROSTOCK „Eierwürfe und einen Dönerwurf“, nennt die Polizei als die „dramatischsten“ Vorfälle.

„Unser Konzept ist aufgegangen“, erklärt Polizei-Chef Michael Ebert. Die Lager – 3200 Teilnehmer bei drei angemeldeten Zügen sowie 200 AfD-Demonstranten – seien gestern in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) erfolgreich getrennt worden. „Und sie konnten dennoch in Hör- und Sichtweite ihre Argumente vorbringen.“

Diese für Rostock neunte AfD-Demo hatte Potenzial, zu eskalieren – „in einem politischen Stadtteil“, wie Ebert sagte, studentisch, kulturell und politisch links geprägt. Wenn in Rostock einmal eine Situation wie in Chemnitz entstünde, wäre die nur schwer wieder „wegzukriegen“. Immer mehr Demos mit Gewaltpotenzial wären die Folge. Die teils engen, teils breiten Straßen und Plätze mit den Einsatzfahrzeugen als „psychosozialem Element“ begrenzt, hätten der Polizei in die Hände gespielt, sodass sie mit 980 Kräften aus MV, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bremen, Berlin und von der Bundespolizei von einer mittleren Lage sprechen konnte.

Um 16.37 Uhr begann die erste Gegen-Kundgebung, angemeldet von Jonas Dogesch auf dem Doberaner Platz, „um der rassistischen Hetze etwas entgegenzusetzen“. Als Redner traten auch Fabian Scheller (Gewerkschaftsbund) und Eckhard Brickenkamp (Rat und Tat) auf. „Diskriminierung aufgrund von Sexualität, Herkunft oder Religion sollte weltweit nicht mehr erlaubt sein“, sagte letzterer. Die AfD sammele die Menschen ein, die einfache Antworten suchen, so Scheller, sie schüre Weltverschwörungstheorien. Kurz vor 18 Uhr startete ihre Demo durch die KTV mit dem Ziel Ulmenmarkt, wo die AfD ihre Anhänger sammelte.

„Ich bin kein Nazi und ich bin auch nicht rechts“, erklärt eine 75-Jährige. Ihren Namen soll sie nicht nennen, sagt ihr Mann. Sie sorge die Zuwanderungspolitik, dass Merkel alles allein entscheiden könne. Eine Viertelstunde, nachdem die Demo der AfD gegen 18 Uhr auf dem Ulmenmarkt begonnen hat, geht sie wieder. Fast alle Teilnehmer halten Deutschlandflaggen, ein blauer AfD-Weihnachtsmann steht dazwischen. Der UN-Migrationspakt ist nicht das vorherrschende Thema, sondern der Islam, das „linke Pack“ und wie gut man es im Griff habe mit den Demos.

Als die AfD durch die Wismarsche Straße zieht, steht Martina Witte, Chefin der Bühne 602, fassungslos am Rand. Wenig später zitiert ein Blogger aus dem rechten Spektrum, Michael Stürzenberger, offen Nazi-Größe Joseph Goebbels, spricht davon, dass sie ein kleines Dorf der Gallier wären, das sich wehrt, das alle das Bundesverdienstkreuz bekommen würden und „wir sind nicht braun, wir sind blau“. „Es macht mir Angst“, sagt Witte. Im Hintergrund ertönt der Ruf tausender Rostocker: „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda.“ Inmitten der Menge stehen junge Frauen in tierischen Outfits. Die „Bunnies gegen rechts“ setzen der AfD-Rhetorik ihre eigenen Parolen entgegen: „Hase vs. Hass“ heißt es da oder „Alle Hasen sind gleich.“

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Schweriner Volkszeitung vom 13.12.2018

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