AfD zeigt in Heimatfilm falsche Heimat

Brandenburger als angebliche Mecklenburger und ein „Schauspieler“, der seine Posten bei der AfD mittlerweile geräumt hat: In einem Werbevideo des Landesverbands von MV scheint ziemlich viel nicht zu stimmen.

Schwerin. Alles gar nicht wahr: Die Landes-AfD fällt ein Fake-Video auf die Füße, mit dem sie vor den Kommunalwahlen eigentlich auf Stimmen- und Mitgliederfang gehen wollte. Der Clip zeigt Landschaftsaufnahmen und ein junges Paar mit Kinderwagen. Dazu ist zu hören und zu lesen: „Mecklenburg-Vorpommern ist meine Heimat. Mein ganzes Leben habe ich hier verbracht. Hier ging ich zur Schule, hier habe ich meinen Mann kennengelernt, hier haben wir ein eigenes Haus gebaut.“ Nach der Flüchtlingskrise 2015 habe man sich aus Sorge ums Land und die Zukunft des Kindes entschlossen, in die AfD einzutreten. Doch an der Darstellung ist offenbar kaum ein Wort wahr. So stammen die Protagonisten aus Brandenburg, berichtet die Internetplattform „Endstation Rechts“. Auch ein Haus sei in MV wohl nie gebaut worden und eine gemeinsame Tochter scheine es ebenfalls nicht zu geben. Besonders peinlich: Laut „Tagesspiegel“ hat der 21-jährige Student kürzlich seinen Posten als Beisitzer im Vorstand des Af D-Kreisverbands Cottbus aufgegeben, seine Stelle beim AfD-Bundestagsabgeordneten René Springer habe er gekündigt.

Video vom offiziellen Auftritt verschwunden

AfD-Landeschef Leif-Erik Holm bestätigte gestern auf Nachfrage unserer Zeitung indirekt die Vorwürfe, bei dem Clip handele es sich um ein Fake-Video: „Dass bei Werbefilmen Schauspieler eingesetzt werden, dürfte keine besonders große Überraschung darstellen“.

Der „Schauspieler“ Jean-Pascal Hohm soll laut „Tagesspiegel“ für die Identitäre Bewegung aktiv gewesen sein. Die „Identitären“ werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Ende Januar habe sich der Student jedoch abrupt aus der AfD zurückgezogen. Kurz zuvor war sein Name mehrfach im Gutachten des Verfassungsschutzes aufgetaucht. Im Gutachten des Inlandsnachrichtendienstes zu extremistischen Bestrebungen in der Partei werde Hohm mehrmals genannt. Der Student habe schon in seiner Zeit als Chef der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative Brandenburg“ Kontakte zu extrem rechten Milieus unterhalten. Außerdem traf er sich im Oktober 2018 in Italien mit Neofaschisten, berichtet die Zeitung.

Das Video ist auf der Facebook-Seite des AfD-Landesverbandes inzwischen nicht mehr zu finden, berichtet „Endstation Rechts“. Auf der Seite des Co-Landesvorsitzenden Dennis Augustin war es bis gestern Abend aber noch zu sehen.

Augustin ist maßgeblich für den Kommunalwahlkampf verantwortlich. Einen kritischen Kommentatoren auf seiner Seite nannte er „Einfaltspinsel“.

Nordkurier vom 15.02.2019

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