Die Kreuz-Ritter der AfD

Einige Mitglieder der Alternative für Deutschland im Nordosten tragen kleine rote Kreuze am Revers. Von anderen AfDlern werden die Kreuzträger misstrauisch beäugt – ihre Namen werden auch vom Verfassungsschutz erwähnt

Wäre er nicht leuchtend rot, würde der kleine Kreuz-Anstecker am Revers vom Co-Landesvorsitzenden der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Dennis Augustin, vermutlich gar nicht auffallen.

In Internetshops wird das rote Lilienkreuz als tolles Andenken an die berühmteste Pilgerstrecke, den Jakobsweg, beworben und für 2,95 Euro zum Verkauf angeboten. Jakobspilger können sich das Symbol an den Hut, die Jacke oder den Rucksack stecken. Dass sich nun im Nordosten Mitglieder der AfD das Jakobskreuz offen auf Parteiveranstaltungen ans Jackett heften, dürfte aber weniger mit Reise- und Pilgerlust zu tun haben. Vielmehr ist es das Erkennungszeichen von Mitgliedern, die dem äußeren rechten Rand der Partei zugerechnet werden, im Nordosten um Einfluss ringen und die AfD in MV auf einen strammen völkischen Kurs bringen wollen.

Zu den Kreuz-Trägern der AfD gehört neben Co-Landeschef Augustin auch der Unternehmer Philip Steinbeck. Beide sind dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bekannt: Augustin und Steinbeck werden im BfV-Gutachten über extremistische Tendenzen in der Alternative für Deutschland erwähnt.

Dem Co-Landesvorsitzenden Augustin werden in dem BfV-Gutachten mehrere islamfeindliche Äußerungen bescheinigt, aus denen sich Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen den Menschenwürdegrundsatz ableiten ließen, so die Verfasser des Gutachtens. Demnach spreche Augustin dem Islam die Religionseigenschaft ab und mache ihn pauschal verächtlich, indem er ihn wie 2017 in einer Rede als „Krebsgeschwür“ bezeichnete oder Muslime mit „Halbaffen“ verglich. Darüber hinaus sehen die Verfassungsschützer bei Augustin eine Nähe zur als Verdachtsfall beobachteten rechtsextremen „Identitären Bewegung Deutschland“. Der AfD-Politiker hatte demnach wiederholt auf seinem Facebook-Profil Beiträge einer von den Identitären gesteuerten Kampagne geteilt.

Über den Unternehmer Steinbeck wird in dem Gutachten unter Berufung auf Presseartikel erwähnt, dass er Einfluss auf die Ausrichtung des AfD-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern ausübe. Steinbeck gilt als Förderer von Augustin und als „Strippenzieher“ im Hintergrund.

Das Jakobskreuz wird im BfV-Gutachten zwar nicht erwähnt – Beobachter der AfD sehen im Tragen des einem Dolch ähnelnden Symbols jedoch ein eindeutiges Bekenntnis zur Tradition jener Kreuzritter im Mittelalter, die sich der Rückeroberung Spaniens von den Muslimen verschrieben hatten. Aufgegriffen wird die sogenannte „Reconquista“ als Parole von der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB), die sich den Kampf gegen eine vermeintliche Masseneinwanderung und angebliche Islamisierung Europas auf die Fahnen geschrieben hat und von einer Verdrängung der heimischen Bevölkerung durch außereuropäische Einwanderer raunt.

Kreuzträger Steinbeck spielt die Bezüge des Symbols ins rechte Milieu herunter. Er trage das Abzeichen als Bekenntnis zum Christentum, teilt er mit. Sein Parteikollege Augustin wird deutlicher und macht aus seiner islamfeindlichen Haltung keinen Hehl: Das Jakobskreuz sei das jahrhundertealte Symbol der europäischen Abwehr des Islam. „Es ist das Kreuz des heiligen Jakobus und somit das deutlichste Zeichen gegen die Islamisierung Europas“, so Augustin.

Von gemäßigten Mitgliedern innerhalb der AfD in Mecklenburg-Vorpommern werden die Kreuz-Träger misstrauisch beäugt. Bereits auf einem Parteitag in Binz 2018 warnten Delegierte vor den „Rot-Kreuz-Trägern“ und den „Rittern der Tafelrunde“. Von einer Art Orden innerhalb der AfD war die Rede. Augustin weist das zurück. Es gebe weder irgendeine Organisation oder Struktur, noch handele es sich um eine wie auch immer geartete Interessenvertretung. Das Misstrauen bei anderen AfD-Mitgliedern bleibt. „Das sind die Leute, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen“, sagte ein Teilnehmer des Parteitages damals mit ernster Miene über die Träger des roten Jakobskreuzes.

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Schweriner Volkszeitung vom 26.02.2019

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