Brief an die Mietparteien im Büro Center Schutow

Sehr geehrte Damen und Herren,Sie haben es eventuell schon mitbekommen: Sie haben neue Nachbarn.
Dabei handelt es sich leider nicht um irgendwelche Nachbarn, die das Schutower Bürocenter (Schutower Ringstraße 6) nutzen, um ihr täglich Brot zu verdienen, sondern es handelt sich um die Bundeszentrale der sogenannten „Identitären Bewegung Deutschland“. Das bedeutet, dass vom Bürocenter aus menschenverachtende und gewalttätige Aktionen geplant und koordiniert werden.

Mit diesem Schreiben möchten wir Sie ein wenig über Ihre Nachbarn informieren sowie ein paar Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die Ihnen helfen können, wenn Sie mit den Identitären nicht einverstanden sind.

Wer hat sich eingemietet?
Mieter der Räumlichkeiten ist Daniel Sebbin, Geschäftsführer der Firmen Okzident Media und Schanze Eins.Diese Firmen dienen dem Ausbau und der Finanzierung der identitären Strukturen. Anfang November erfolgte der Einzug. Zuvor nutzten die Identitären Räumlichkeiten in der Graf-Schack-Straße 7 im Rostocker Bahnhofsviertel, die ihnen nach wiederholten Protesten der Zivilbevölkerung gekündigt wurden.

Wer sind die Identitären und was machen sie in den Räumlichkeiten?

Die Identitären sind eine europaweit agierende, neofaschistische Gruppierung, die seit Herbst 2016 ihre Bundeszentrale nach Rostock verlegt hat. Bundessprecher Daniel Fiß sagte im Interview mit der Ostsee-Zeitung am 07. Oktober 2016, dass über diese Zentrale der Online-Versand der Identitären läuft, die Räumlichkeiten aber auch zu Lesungen oder Ähnlichem genutzt werden sollen. Fakt ist, dass von dem Rostocker Standpunkt verschiedene Straftaten organisiert und durchgeführt werden, so zum Beispiel die Störung einer Abendveranstaltung an der Universität Rostock am 02.02.2018 (Ostsee-Zeitung vom 05.02.2018).

Was ist das Problem an den Identitären?
Die Identitären sind gewaltbereit und rassistisch.Verschiedene Aktionen in der Vergangenheit zeigen dies deutlich: Am 14.01.2019 waren Rostocker Identitärean einem gewalttätigen Übergriff auf eine taz-Mitarbeiterin in Berlin beteiligt, als die Gruppe versuchte, das Zeitungshaus mit Plakaten zu bekleben. Im November 2017 gerieten identitäre Kader aus Halle in die Medien, weil sie zwei Zivilbeamte der Polizei mit Baseballschlägern und Pfefferspray angriffen. Im Sommer2017 charterte eine identitäre Gruppe ein Schiff, um Militär und NGOs daran zu hindern, gekenterte Flüchtlingsboote zu retten. Nicht nur, dass die Aktivist*innen damit gegen internationales Seerecht agierten, sie nahmen billigend den Tod von Menschen in Kauf, deren einzige Möglichkeit auf ein friedliches Leben auf dem europäischen Kontinent liegt. Auch an dieser Aktion nahmen Rostocker Identitäre teil, u.a. Ihr Nachbar Daniel Sebbin.

Diese Aktionen sind nur wenige von zahlreichen regionalen, bundes- oder europaweiten Aktionen und stehenexemplarisch für ihre praxisgewordene Menschenverachtung, die sich sonst in theoretischen Papieren und Abhandlungen niederschlägt.

Die Identitären treten nicht als klischeebesetzte Nazis in Erscheinung.

Durch vermeintlich cooles und junges Auftreten und das Propagieren eines kulturellen Rassismus in Verbindung mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen schaffen sie eine breite Anschlussfläche für junge Menschen. Das kann jedoch nicht über ihre offene Gewaltbereitschaft hinwegtäuschen, die sich zuhauf bei Demonstrationen mit Beteiligung von Identitären zeigt.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir wissen, dass nicht Sie darüber entschieden haben, dass sich diese faschistische Gruppierung unter einer Tarnfirma innerhalb ihres Gebäudekomplexes eingemietet hat. Nichtsdestotrotz haben auch Sie Handlungsmöglichkeiten, um den Identitären keine Handlungsspielräume zuermöglichen.
Folgende Ideen haben wir dafür:
– teilen Sie dem Verwalter oder Eigentümer des Bürocenters mit, dass Sie nicht in einem Haus mit den Identitären arbeiten möchten
– fragen Sie den Verwalter oder Eigentümer des Bürocenters, wie er den guten Ruf des Hauses aufrecht erhalten möchte
– sagen Sie Ihren neuen Mitmietern doch immer wieder, dass Sie deren Menschenbild nicht mögen
– zeigen Sie durch Aushänge oder ähnliches, dass Sie eine weltoffene und tolerante Gesellschaft bevorzugen bzw. keine Lust auf Rassismus, verstaubte Rollenklischees o. ä. haben
– unterstützen Sie Aktionen der Zivilgesellschaft, die vor Ort ihren Protest gegen die Identitären ausdrücken möchten

Falls Sie noch Fragen haben, finden Sie auf unserer Website www.resistancehro.org Informationen zu den Identitären oder Sie können uns unter resistance@systemausfall.org eine Mail schreiben.

Mit freundlichen Grüßen,Résistance – Keine Identitären-Zentrale in Rostock!

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